Geschichte der Spiegelherstellung

Die Geschichte der Spiegelherstellung dauert bereits Jahrtausende. Der Ansporn der Menschheit dafür ist der Wunsch, das eigene Bild zu sehen. Die ursprünglichste Form des Spiegelbildes ist die eigene Reflexion auf einer dunklen, glatten Wasseroberfläche. Doch bereits in der Jungsteinzeit betätigten sich die Menschen selbst als Spiegelhersteller, wie Funde von polierten Obsidianplatten in Çatalhöyük, in der heutigen Türkei, belegen. Die Menschen des Bronzezeitalters schliffen Metallplatten glatt, um ihr Ebenbild darin betrachten zu können. Auch für spirituelle Zwecke war die Spiegelherstellung von großer und weit verbreiteter Bedeutung: In den antiken Hochkulturen Ägyptens, Babyloniens und Chinas wurden Spiegel aus Metall vor allem weiblichen Verstorbenen als Grabbeigaben mitgegeben. Die ersten Spiegel aus Glas entstanden im spätrömischen Reich um 300 nach Christus. Wie bei der heutigen Spiegelherstellung war eine Glasschicht mit Metall hinterlegt. Da das Herstellen farbloser Gläser aber nach Ende des römischen Reiches in Vergessenheit geriet, konnten anschließend über mehrere Jahrhunderte keine Spiegel aus Glas gefertigt werden. Im 11. Jahrhundert entwickelten Spiegelhersteller in Italien konvexe Spiegel, sogenannte Kapselspiegel. Gewölbte und polierte Metallkapseln wurden mit einer dünnen Schicht aus Glas umfangen. Im 13. Jahrhundert stellte man in Murano, dem damaligen Zentrum der Glasbearbeitung, kleine Hohlspiegel her. Dazu goss man in frisch geblasene Glaskolben eine Legierung aus Blei und Zinn und schnitt diese anschließend auf. Auch nördlich der Alpen war die Spiegelherstellung ab dem Spätmittelalter verbreitet. 1373 gründeten Glasmacher in Nürnberg die erste Zunft, die auch Spiegel fertigte. Im Jahr 1516 entwickelten die Brüder Dal’Gallo in Venedig erstmals flache Spiegel aus Glas. Dafür brachten die Pioniere der modernen Spiegelherstellung eine dünne Zinnfolie auf dem ebenen Glas auf. Durch das Übergießen mit einer zwei bis drei Millimeter starken Schicht aus Quecksilber verbinden sich die beiden Materialien zu Amalgam, einer chemisch sehr stabilen Quecksilberlegierung. Die genaue Rezeptur der venezianischen Spiegelhersteller war streng geheim. Ihre Technik, Spiegel aus Glas mit Quecksilber zu belegen, fand bis in das 19. Jahrhundert Anwendung. Spiegelhersteller waren auch am Hofe Ludwigs XIV tätig und entwickelten die flachen Spiegel aus Glas weiter: Auf einem Gießtisch aus Bronze walzten sie flüssiges Glas mit Rollen zu flachen Tafeln. So waren größere Formate mit glatterer Oberfläche und weniger Einschlüssen möglich. Mit Hilfe dieser Technik der Spiegelherstellung konnte der Spiegelsaal in Versailles entworfen und ausgestattet werden.

 

 

Erst vor etwa 150 Jahren erkannte man den Zusammenhang zwischen häufig auftretenden Erkrankungen der Spiegelhersteller und dem Anfertigen von Quecksilberspiegeln: Das hochgiftige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist, verdunstet bereits bei Temperaturen ab 58°C. Daher kam es 1886 zum Verbot von Quecksilberspiegeln. In der Zwischenzeit hatte der deutsche Chemiker Justus von Liebig Mitte der 19. Jahrhunderts eine neue Methode der Spiegelherstellung entdeckt. Von Liebig fand heraus, dass beim Vermengen von Aldehyd und Silbernitrat und dem Aufbringen auf eine Glasscheibe, Silber an der Glaswand abscheidet. So entsteht ein brillanter Spiegel aus Glas, der weit mehr Licht reflektiert als Quecksilberspiegel. Allerdings färbt sich bei der Reaktion von Silber mit Sauerstoff das Metall dunkel. Um diese Korrosion zu verhindern, musste die Rückseite der Silberschicht mit einer dünnen Lage Zinn oder Kupfer geschützt werden. Zum Verhindern mechanischer Beschädigungen und um die Lichtundurchlässigkeit zu gewährleisten wurde dahinter eine Schicht Decklack aufgetragen. Diese Technik erlangte nach dem Quecksilberverbot große Bedeutung für die Spiegelhersteller. Heute wird der traditionelle Vorgang weiterhin zur Spiegelherstellung eingesetzt, auch wenn mittlerweile kostengünstigere Methoden der Serienfertigung mit Aluminium weit verbreitet sind. Silber bietet jedoch eine äußerst gleichmäßige Reflexionsfähigkeit über das gesamte Spektrum von sichtbarem Licht und bleibt daher die erste Wahl für hochwertige Spiegel. So gibt es auch heute noch Unternehmen, welche die Kunst des Verspiegelns mit eigenen, langjährig erprobten Rezepturen beherrschen – wie beispielsweise Glas Trösch Spiegeldesign, ehemals Glas Löffler, aus Freiburg.